Dienstag, 8. September 2009

Dax Daily - EUR/CHF: Bleibt es bei 1,50 CHF?

von Andreas Wolf

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wer sich die Aktienrallys vor der Finanzkrise der vergangenen zwei Jahre angeschaut hat, konnte sich sicher sein, immer ein Phänomen beobachten zu können, dass zur Begleiterscheinung der Aufschwünge gehörte, nämlich die Stärke der Euro gegenüber den Carry-Währungen Schweizer Franken und Japanischer Yen.

Seit dem Beginn der Finanzkrise und mit dem Start der Baisse an den Aktienmärkten floss das Geld der Carry-Trader wieder zurück in die Verschuldungswährungen und bewirkte so eine stärkere Aufwertung gegenüber dem Euro. In den vergangenen Wochen war dann zu beobachten, dass die aktuelle Rally der Aktienmärkte bereits nicht mehr durch die eine fortgesetzte Abschwächung der Carry-Währungen begleitet wurde. Die Risikofreude wurde einen Gang zurückgenommen.

Als Vorindikator für die derzeitige Entwicklung an den Aktienmärkten eignete sich der Blick auf die Carry-Währungen demnach bestens. In den vergangenen Kommentaren zur DAX-Entwicklung hatte ich darauf auch hingewiesen. Während die Schwankungen des japanischen Yen gegenüber dem Euro noch durchaus als hoch bezeichnet werden können, handelt der Schweizer Franken in einer engen Handelsspanne zwischen 1,50 CHF und 1,54 CHF zum Euro. Dies hat seinen Grund.

Interventionsmarke 1,50 CHF

Die Schweizer Nationalbank hat im Frühjahr dieses Jahres die Marke von 1,50 CHF zur Ultima non ratio erklärt. Anders ausgedrückt: Unterhalb dieses Wechselkurses beabsichtigt die Notenbank eine sofortige Intervention zugunsten des Schweizer Franken. Als Begründung führen die Notenbanker vor allem die hohe Exportabhängigkeit der Schweiz an, die unter einem zu stark steigenden Franken zu stark zu leiden hätte. Das Bekenntnis einer Notenbank zu einer festen Stützungsmarke innerhalb eines sonst kaum regulierten Marktes ist damit aber automatisch auch mit Schwierigkeiten verbunden, denn die Marktteilnehmer werden immer wieder mit Tests versuchen, die Unterstützung auf ihre Bestandsfähigkeit hin zu überprüfen.

Zweimal bewies die Notenbank in diesem Jahr schon ihre Bereitschaft, etwaige Attacken von Devisenspekulanten abzuwehren. Auffällig ist, dass die starken Abwehrreaktionen leicht oberhalb von 1,50 CHF bisher nahe an den turnusmäßigen Sitzungen der Schweizer Notenbank gelegen haben. Diese finden quartalsweise im März, Juni, September und Dezember meist zur Monatsmitte statt. Es ist demnach anzunehmen, dass in den kommenden drei Wochen der nächste Show-Down zwischen den Spekulanten und der Notenbank stattfinden wird.

Intervention keine dauerhafte Lösung

Die Schweizer Notenbank (SNB) begibt sich mit ihrer Interventionspolitik auf den Pfad, den die japanische Notenbank in den neunziger Jahren häufig wirkungslos beschritten hat, um eine zu starke Aufwertung des Yen zu verhindern. Auf die Dauer sind solche Maßnahmen aber keine Lösung, weil die Notenbank einen erheblichen Aufwand betreiben muss, um die eigene Währung in der angestrebten Handelsspanne zu halten. Das freie Spiel der Kräfte lässt sich so nur bedingt aufhalten.

Zwar handelt es sich beim Schweizer Franken um eine weitaus kleinere Währung als den Yen, dennoch wird die SNB nicht dauerhaft die Interventionsmarke verteidigen. Zeigt sich auch in der Schweiz eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung, muss sie sogar über eine Zinserhöhung nachdenken. Spätestens dann steht die aktuelle Politik auf dem Prüfstand, eine weitere Aufwertung ließe sich nur schwer verhindern. Je früher der Franken sich wieder unlimitiert bewegen kann, desto besser die Schweizer Wirtschaft.



Nächste Interventionsrally steht an

Seit Mitte März pendelt das Währungspaar EUR/CHF zwischen den Marken 1,50 und 1,54 mehr oder weniger dynamisch hin und her. Die Oberseite der Handelsspanne wird allerdings wurde bisher fast ausschließlich im Interventionsfall durch die SNB erreicht, danach kam es zu den erwartenden Gewinnmitnahmen und der CHF bewegte sich mit moderater Geschwindigkeit wieder auf die Unterstützungszone zwischen 1,50 und 1,52 CHF zu. Aus technischer Sicht wäre ohne die Interventionsbereitschaft durch die SNB der Bereich um 1,50 CHF aufgrund vorliegender Verkaufssignale wohl schon längst unterschritten worden.

Aktuell notiert das Währungspaar dicht oberhalb der 200-Tage-Linie, während die kurzfristigen Durchschnitte bereits wieder unterschritten wurden. Die begrenzte Handelsspanne führte zudem dazu, dass alle drei Durchschnittslinien mittlerweile eng beieinander liegen. Für eine nicht mehr allzu fern liegende stärkere Bewegung in dem Währungspaar spricht die stark zurückgefallene Volatilität.

Vorerst, im Rahmen der nächsten beiden Wochen, wird sich die leicht abwärts geneigte Bewegung des Schweizer Franken fortsetzen, ein kurzzeitiges Unterschreiten der 1,51 CHF würde nicht überraschen. Danach dürfte die nächste Intervention der SNB den Schweizer Franken wieder in Richtung 1,53 und 1,5360 CHF katapultieren. Nur wenn die SNB wesentlich mehr Geld in die Hand nimmt, könnte die bisherige Handelsspanne nach oben durchbrochen werden, ansonsten droht eine Wiederholung des bisherigen Szenarios.

Quelle: http://www.investor-verlag.de/newsletter/dd/

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