Freitag, 22. Januar 2010

EURCHF – Plus/Minus aus Sicht von Fremdwährungskrediten

 

Die aktuelle Situation des EURCHF Charts gibt Grund genug, um über bestehende Immobilienfinanzierungen in Fremdwährung (speziell CHF-Kredite) nachzudenken.

Während in den Jahren zuvor Zinsunterschiede bis zu 2% p.a. das Hauptargument für einen CHF-Kredit waren, ist diese Differenz aktuell auf 0,36% im 3 Monatsvergleich Libor und Euribor geschrumpft. Bereinigt um die Konvertierungskosten der monatlichen Zinsraten liegt der Vorteil aus einem CHF-Kredit somit aktuell bei ca. 0,25% p.a. oder weniger. Dem gegenüber steht das Risiko, einen Kursverlust durch einen stärkeren CHF zu erleiden.

EUR_CHF Spot

Gründe für einen stärkeren CHF in der Zukunft:

  1. die Unterstützung seitens der SNB bei EURCHF 1,50 findet aktuell nicht mehr statt und wurde nachhaltig durchbrochen
  2. die Vergabe von CHF-Krediten außerhalb der Schweiz ist faktisch gestoppt, CHF-Kredite werden eher umgestellt auf EUR-Kredite, was zu CHF-Käufen führt
  3. Unsicherheit an den Börsen führt zu Auflösung der Carrytrades und zur Rückführung von CHF
  4. charttechnisch bewegt sich der Kurs seit Nov 2007 aus Eurosicht in einem Abwärtskanal
  5. die negative Grundstimmung über die Zukunft nach der Finanzkrise (Staatsverschuldungen, Geldmenge, Inflationsgefahr) führt zu verstärkter Nachfrage nach traditionellen Fluchtwährungen (save haven), wie CHF

Gründe für einen wieder schwächeren CHF in der Zukunft (oder zumindest einen Stopp der Abwärtsbewegung):

  1. seit 1996 existiert eine Unterstützungslinie bei ca. 1,4450, die selten und dann nur kurz durchbrochen wurde
  2. die Stochastik signalisiert, dass der Euro wohl bei ca. 1,45 eine Überverkauftsituation erreichen wird
  3. aus Sicht der Exporteure kann die SNB kein Interesse an einem zu starken Schweizer Franken haben

Wie kann man sich nun bei laufenden CHF-Krediten verhalten?

  1. Wer an eine langfristige Stabilisierung der Situation und eine zukünftige Erhöhung der Zinsersparnis glaubt, kann im CHF bleiben, vorausgesetzt das potentielle Kursrisiko ist im Rahmen der persönlichen Finanzen vertretbar.
  2. Wer über weniger finanziellen Spielraum verfügt, kann sich bei aktuell niedrigen Eurozinsen nach Alternativen umsehen. Eventuell mit Zinssatzobergrenzen.

Kommentare:

  1. ich bin richtig happy, dass ich den blog gefunden habe. sehr hilfreiche informationen!

    als chf-fw-kreditnehmen (laufzeit bis 2028, einstieg 2003 bei 1,53) überlege ich nach einer nächsten snb-unterstützung auf über 1,5 auf EUR zu wechseln.
    zurückwechseln wenn er wieder unten (zb 1,46) ist, würde dies schon lohnen.

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  2. Hallo Rupert,

    freut uns, dass die Inforamtion hilfreich war!

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  3. Hallo

    Ich bedanke mich auch für die gute Information da man im Netz zurzeit nichts genaueres finde

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  4. Hallo!
    Ich hätte eine Frage betreffend dem Euro/CHF-Kredit. Wir hatten diesen Kredit, sind jetzt aber in einen reinen Eurokredit umgestiegen. MEINE Frage lautet, ob es für uns Privatkunden in nächster Zeit wieder möglich ist, umzusteigen, denn laut Auskunft der Banken soll für uns kein Euro-CHF-Kredit mehr möglich sein. Und wenn, welche Bank würde das machen?
    Mit Dank im Voraus und ich kann mich den bisherigen Kommentaren nur anschließen: ENDLICH mal eine Seite, wo man gute Informationen darüber findet.

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  5. Hallo!
    Ich bin im Jahr 2007 mit einer CHF Haus-Finanzierung (257.000 Euro) bei 1.65 eingestiegen, ohne informiert worden zu sein, das dies ein Allzeithoch war. Hausfinanzierung läuft noch 27 Jahre und die hoffnung ist groß, dass die CHF Währung wieder in eine moderate Nähe gelangt um zu konvertieren. Wie sind Ihre einschätzungen für die kommenden Jahre?

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  6. Hallo!
    Ganz ehrlich, es weiss niemand wo der Franken in den nächsten Jahren zum Euro stehen wird. Wir haben mal eine Prognose gewagt - zu lesen unter http://investdenker.blogspot.com/2010/10/die-groe-prognoseschau-zum-franken.html

    Leider hat der Franken die Bandbreiten zum Euro, die in den letzten Jahren gültig waren verlassen. Es gibt in der Fachwelt die Diskussion, ob die Änderung der Volkswirtschaften EU und Schweiz fundamental war oder nicht. Dies wird man erst sehen, wenn sich die Verschuldungen der Staatshaushalte etwas lichten werden. Sollte es eine fundamentale Änderung ergeben haben, dann wird auch die Währung über lange Zeit auf den derzeitigen Niveaus bleiben. Aber wie gesagt, niemand kann das sagen.

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