Freitag, 5. Februar 2010

US-Arbeitsmarktdaten

von Henrik Voigt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Anleger suchen gern nach Gründen für Kursbewegungen. Erst recht, wenn diese überraschend kommen. Für den gestrigen Kursrutsch werden schlechte Konjunkturdaten und Spekulationen über mögliche Zahlungsschwierigkeiten kleinerer europäischer Länder als Begründung angeführt. Also ehrlich: die Zahlungsproblematik von Griechenland & Co. ist dem Markt seit langem bekannt und wird seit Wochen besonders ausgiebig in den Medien diskutiert. Und die Konjunkturdaten waren gestern schlimmstenfalls gemischt.

Die US-Auftragseingänge der Industrie überraschten sogar positiv ebenso wie die Produktivität. Auch die gemeldeten Quartalszahlen fielen meist deutlich besser aus als erwartet. Lediglich die US-Arbeitsmarktdaten überraschten den Markt negativ. Die Zahl der wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen war von 472.000 auf 480.000 gestiegen, während der Konsens einen Rückgang auf 455.000 Erstanträge erwartet hatte. Damit wurde der höchste Stand seit 6 Wochen erreicht. Wenn, dann würde ich diese Daten noch als Begründung durchgehen lassen (aber wie Sie wissen, halte ich wenig von Begründungen). Auch die am Mittag gemeldeten Auftragseingänge der deutschen Industrie im Dezember enttäuschten. Diese waren um 2,3 Prozent gefallen. Aber mal ehrlich: Auch das ist doch nichts wirklich Neues. Wir sehen bei vielen Wirtschaftsdaten seit Wochen oder Monaten Verschlechterungen.

Es ist gut möglich, dass sich jetzt die lange Zeit der Ignoranz und des Schönredens nun rächt. Erinnern Sie sich noch an den Spätherbst und die Vorweihnachtszeit, als der Markt ähnliche Datenverschlechterungen mit Kurssprüngen bejubelte, weil angeblich die Zinsen so schön niedrig bleiben? Spät setzt sich scheinbar wieder Realitätssinn an den Börsen durch. Vielleicht dämmet so manchem Anleger, dass seine Aktien vielleicht nach einer Verdoppelung vom Tief aus angesichts der mauen Wirtschaftsdaten doch nicht das große Schnäppchen waren, dass der Bankberater angepriesen hatte. Hoffen wir nur, dass es nicht zu vielen Anlegern gleichzeitig dämmert. Die Ausgänge sind schmal an der Börse.

Quelle: Dax Daily: Newsletter weiterempfehlen

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