Mittwoch, 17. März 2010

Abbau der Staatsschulden oder Hyperinflation?

Zum Thema Staatsverschuldung ein Auszug aus einem interessanten Artikel, erschienen bei der Ludwig Erhard Stiftung:

von Prof. Dr. Ulrich van Suntum

Die Bankenkrise hat nicht nur das weltweite Finanzsystem in den Grundfesten erschüttert, sondern auch alle Dämme bei der Staatsverschuldung brechen lassen. Im Bemühen, den Kollaps des Kreditsystems zu verhindern und die unvermeidliche Rezession zumindest in Grenzen zu halten, sind die staatlichen Geldschleusen bis zum Anschlag geöffnet worden. Die Summen, um die es hier geht, erscheinen in der Tat gigantisch.

Schuldenabbau durch Wirtschaftswachstum

Die aktuellen Neuverschuldungsquoten von drei Prozent und mehr sind für sich genommen noch keine Katastrophe. Vergleichbare Quoten hat es schon früher gegeben, etwa in den Rezessionen 1981 (3,9 Prozent) und 1991 (3,6 Prozent) sowie in den Jahren 2003 und 2004 (jeweils 3,7 Prozent). Im Rezessionsjahr 1975 war die Neuverschuldung sogar auf 5,6 Prozent des BIP gestiegen.
Allerdings hatte damals die Gesamtverschuldung des Staates nur knapp 25 Prozent betragen. Bis 1985 kletterte sie dann rasant bis über 40 Prozent, und nach der Deutschen Einheit stieg sie innerhalb eines Jahrzehnts um weitere 20 Prozentpunkte. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem
ähnlichen Niveau wie etwa die USA und die übrige Eurozone, aber rund 20 Prozentpunkte über den Werten der Schweiz und Großbritanniens.

Oft wird gefragt, ob und wie diese Staatsschulden jemals wieder abbezahlt werden können.

Eine wirkliche Tilgung ist kaum zu erwarten, allerdings ist sie auch gar nicht notwendig. Schließlich sind auch Unternehmen in aller Regel zum Teil fremdfinanziert – und das auf Dauer. Bei Unternehmen kommt es darauf an, dass der Schuldenstand relativ zum Umsatz nicht immer weiter steigt und dass die Zinsen aus dem laufenden Einkommen getragen werden können. Das gilt im Prinzip auch für den Staat, wobei hier an die Stelle des Umsatzes das BIP bzw. die daran geknüpften Steuereinnahmen treten. Aus der Wachstumstheorie folgt, dass die Gesamtverschuldungsquote langfristig der Relation aus der jährlichen Neuverschuldung und dem nominalen Wirtschaftswachstum entspricht.

Hier liegt der innere Zusammenhang zwischen den beiden Maastricht-Kriterien:
Wächst die Wirtschaft nominal um jährlich fünf Prozent, führt eine jährliche Neuverschuldung langfristig zu einer konstanten Gesamtverschuldungsquote von 60 Prozent des BIP – unabhängig vom jeweiligen Ausgangsniveau.
Bei geringerem Wirtschaftswachstum oder höherer Neuverschuldung steigt sie entsprechend an. Aus dem gleichen Zusammenhang folgt, dass ein langfristig ausgeglichener Staatshaushalt die Schuldenquote allmählich immer weiter senkt, ohne dass jemals auch nur ein Euro getilgt werden muss. Dies liegt daran, dass Wirtschaft und Steuereinnahmen normalerweise jährlich wachsen
und daher eine absolut unveränderte Staatsschuld in relativer Betrachtung immer weniger zu Buche schlägt.

Quelle: Ludwig Erhard Stiftung

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