Mittwoch, 3. März 2010

Viele sprechen von drohender Hyperinflation …

aber keiner von der überaus wahrscheinlicheren Hyperdeflation. Dabei war ja alles schon mal da. Anbei ein Auszug aus der Wikipedia zur Weltwirtschaftskrise vor knapp 100 Jahren:

Deutschland 1925

“Die deutsche Bankenkrise kennzeichnete den Beginn des zweiten Teils der Wirtschaftskrise, den Beginn der „Hyperdeflation“. Sie hatte zwei Ursachen. Durch gegenseitige Konkurrenz, durch feindliche Übernahmen kleinerer Banken und auf Grund spekulativer Wertpapier- und Warengeschäfte hatten die großen Banken 1925 wieder das Geschäftsvolumen von 1914 erlangt. Sie waren zwar auf Expansion ausgerichtet, aber durch niedere Eigenkapitalquoten und geringe liquide Mittel schlecht dafür gerüstet. …

Hinzu kam die Instabilität des internationalen Kreditmarktes. … Ein Großteil der aufgenommenen Kredite war obendrein kurzfristiger Natur, das heißt, sie mussten binnen drei Monaten zurückgezahlt werden. … Sollten die ausländischen Gläubiger ihr Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Banken verlieren und die kurzfristigen Kredite einmal nicht verlängern, drohte sofort ein empfindlicher Devisenmangel bis hin zur Illiquidität.

Im Ausland führte die Krise ebenfalls zur Verknappung der Liquidität der Banken. …” Quelle: Wikipedia

Was war die Folge daraus? Schauen wir uns den Preisindex (Inflation) und das Bruttosozialprodukt von 1926 bis 1939 an:

800px-BSPDRWeltkriseQuelle: Wikipedia

Eine daraus resultierende Hyperinflation ist auf dieser Grafik keinesfalls zu erkennen. Im Gegenteil, negative Inflationszahlen über 10% waren die Folge. Dabei spricht man dann von Deflation.

Amerika 1925-1935

Jahr

Dow Jones

Inflation

12.31.1925

30%

2,44%

12.31.1926

0%

0,94%

12.31.1927

29%

-1,92%

12.31.1928

48%

-1,15%

12.31.1929

-17%

0,00%

12.31.1930

-34%

-2,66%

12.31.1931

-53%

-8,94%

12.31.1932

-23%

-10,30%

12.30.1933

67%

-5,09%

12.31.1934

4%

3,51%

12.31.1935

39%

2,56%

Auch am Beispiel Amerikas lässt sich sehr gut ableiten, dass die Inflation im Zuge der Weltwirtschaftskrise sehr schnell zur Deflation mutierte.

Japan 1990

Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt uns, dass Japan seit 1990 im Geld schwimmt und nicht in der Lage ist, seine Deflation zu bekämpfen. Also finden wir auch dort keine Hyperinflation als Folgeerscheinung einer Immobilien- mit anschließender Bankenkrise.

Zinscaps

Und wer jetzt noch immer an Hyperinflation und dramatisch steigende Zinsen glaubt, dem sei ans Herz gelegt, dass unsere Banken mit dem Verkauf von Zinscaps an Kreditnehmer sicher keinen sozialen Hintergedanken gehabt haben. Würden die Zinsen aber über die vereinbarten Caps steigen, müssten die Banken so richtig Geld in die Hand nehmen und an die Kunden auszahlen. Und glauben Sie mir, das wollen die Herren im schwarzen Anzug im Hinblick auf ihre Boni ganz sicher nicht.

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