Mittwoch, 22. Dezember 2010

Das Ende blüht mit Staatsbankrotten, Währungsreformen und einem völligen Zerfall der öffentlichen Ordnung

Anlegerbeschimpfung

   von Dr. Bernd Niquet (Quelle: Doersam Brief)

Liebe Leser, wenn Sie, wie so viele, ebenfalls davon ausge-
hen, dass uns nun bald das Ende blueht mit Staatsbankrotten,
Waehrungsreformen und einem voelligen Zerfall der oeffentli-
chen Ordnung, das man eigentlich nur noch mit physischem Gold
und dem Anbau von Kartoffeln ueberstehen kann, dann ist die-
ser Text Ihr Weihnachtsgeschenk. Sollte dem jedoch nicht so
sein, dann ersparen Sie sich das Lesen. Dann wuensche ich
Ihnen bereits an dieser Stelle ein frohes Weihnachtsfest.

Jetzt ist es also so weit. Sie jubilieren. Lange Jahre, ja
Jahrzehnte haben Sie auf diesen Moment gewartet. Das Fernse-
hen berichtet live vom Chaos in Deutschland. Die Banken haben
dicht gemacht, der Staat ist nicht mehr funktionsfaehig, die
Geldautomaten sind leer und die Supermaerkte bereits bei vie-
len Waren ausverkauft.

Jetzt kommt Ihre Stunde, denken Sie. Sie nehmen die Krueger-
rands aus der Schmuckschatulle und begeben sich auf Einkaufs-
tour. Im selben Moment, in dem sie sich zu Dumpingpreisen
einen Pelzmantel ausgesucht haben, wird der Laden gestuermt.
"Ey Alter, was hastn da?", fragt einer, der ihre Goldmuenzen
erspaeht, und haut Ihnen die Faust mitten ins Gesicht. Danach
sind Sie Ihre Kruegerrands los. Und die Zaehne auch.

Sie muessen also dringend an das Bankschliessfach. Die Bank
ist allerdings geschlossen und wird von einer wuetenden Menge
belagert. Ihre Goldbarren koennen Sie daher abschreiben,
zudem der Staat eine Sperre saemtlicher Schliessfaecher
verfuegt hat. Wenigstens ziehen Sie sich keine weitere
Verletzung zu.

Gluecklicherweise haben Sie ja noch das Schliessfach in der
Schweiz. Und die Schweiz ist bisher von allen Krawallen ver-
schont geblieben. Sie sind wirklich ein echter Koenner,
Kompliment! Sie schaffen es sogar, mit dem Auto durch die
Grenzkontrolle zu kommen und stehen endlich vor Ihrer Schwei-
zer Bank.

Was Sie allerdings nicht wissen, ist, dass der Schalterbeamte
dort mit der russischen Mafia zusammen arbeitet, so dass sie
gleich kurz hinter dem Ortsschild von Zuerich von dieser
gestoppt werden, einen Kopfschuss erleiden und Ihnen saemtli-
ches Gold gestohlen wird. Jetzt haben Sie nicht nur ihr Ver-
moegen eingebuesst, sondern auch ihre Gesundheit. Und bald
Ihr Leben ebenfalls.

Sie wachen jedoch noch einmal auf, im Krankenhaus von Zue-
rich, werden dort allerdings nur notduerftig versorgt, da
Ihre deutsche Krankenversicherung zahlungsunfaehig ist und
Sie ueber keinerlei Privatvermoegen mehr verfuegen. Denn Ihr
Kartoffelacker ist bei dem gefrorenen Boden derzeit gaenzlich
wertlos.

Doch Sie besitzen meine ganze Sympathie, wovon Sie sich al-
lerdings ebenfalls nichts kaufen koennen. Sie waren einfach
zu clever fuer diese Welt. Jetzt werden Sie an Ihren eigenen
Erfolgen sterben. Und Ihre letzten Gedanken sind, ob ein
bisschen mehr soziales Verhalten, ein paar gute Standard-
aktien im Depot und ein kleines Buendel Euroscheine unter der
Matratze nicht vielleicht die bessere Strategie gewesen
waeren.

Aber nein, Sie haben Recht gehabt! Sie haben richtig gelegen!
Und jetzt liegen Sie auch richtig! Naemlich dort, wo Sie hin-
gehoeren. Ich wuensche Ihnen ein letztes wunderbares Weih-
nachtsfest!


++++++


Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich
verdraengte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro,
ISBN 978-3-86901-830-0.

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1 Kommentar:

  1. Lieber Leser,

    Bernd Niquets durchdachte und oft zynische Kommentare, sowie seine geistreichen und entspannten Bücher sind eine herrliche Nische in einer Börsenwelt, die von kleineren Geistern nur so strotzt.

    In diesem Sinne, hochachtungsvoll
    Ihr Börsenphilosoph

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