Donnerstag, 26. September 2013

Inflation: Österreich teurer als Deutschland


Inflation. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist in Österreich der Anstieg der Verbraucherpreise um ein Viertel höher als in Deutschland.

Zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde eine Hyperinflation befürchtet. Denn die Notenbanken fluteten die Märkte mit riesigen Beträgen, um das Schlimmste zu verhindern. Doch es gibt keine Hyperinflation, die Geldentwertung vollzieht sich schleichend.

Laut einer Analyse der Bank Austria erhöhten sich in Österreich die Verbraucherpreise seit Mitte 2009 bis heute kumuliert um 10,7 Prozent, in Deutschland nur um 7,5 Prozent. Für die höhere Inflation in Österreich sind die Ausgabengruppen Verkehr, Wohnen und Nahrungsmittel verantwortlich. Das größere Problem dabei ist aber der Anstieg der Inflation in Relation zum teilweise stagnierenden Einkommen.

Vor allem Mietkosten schießen in die Höhe

Besonders interessant ist die Dynamik im Bereich Wohnen. Hier war in den vergangenen vier Jahren der stärkste Anstieg bei den Mieten zu beobachten: Diese kletterten in Österreich seit Mitte 2009 um 16 Prozent, während es in Deutschland lediglich ein Plus von fünf Prozent gab.

Zukunftsaussichten

Die Bank Austria schätzt, dass die Mieten auch heuer mit drei Prozent stärker steigen werden als die gesamten Verbraucherpreise, die 2013 auf ein Plus von 1,9 Prozent kommen werden. Die Inflation frisst damit weiterhin die Sparzinsen auf. Denn der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank liegt bei 0,5 Prozent.
(Quelle: Die Presse)

Freitag, 20. September 2013

Hauspreiskrise in den Niederlanden


  • Nicht nur im Süden, sondern auch im Zentrum der Währungsunion gibt es gravierende wirtschaftliche Probleme.
  • Die Niederlande leiden unter einer schweren Hauspreiskrise, die noch eine Weile anhalten wird.
  • Wenn es eine Euro-Hausse an den Aktienmärkten geben sollte, werden die Märkte in Amsterdam davon nicht profitieren.
Die herrschende Vorstellung des Euroraums ist falsch. Normalerweise teilen wir die Währungsunion auf in die Problemländer im Süden (inkl. Frankreich) und in das gesunde Zentrum in der Mitte unter anderem mit Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Finnland. Schauen Sie sich jetzt aber die Grafik an. Dort sieht das ganz anders aus. Das reale Bruttoinlandsprodukt hat sich seit dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 von den dort aufgeführten Ländern in Frankreich am besten entwickelt. Deutschland (und – nicht aufgeführt – Österreich) folgt mit kleinem Abstand. Dann kommt lange, lange nichts. Im unteren Teil der Grafik finden sich erst die Niederlande und dann Spanien.

Der Ausreißer sind also die Niederlande. Sie gehören formell zwar zu den "guten" Staaten. Ihre Wirtschaftslage ist aber ausgesprochen schlecht. Seit 2008 sind sie fast ununterbrochen in einer Rezession. Das öffentliche Defizit betrug im letzten Jahr 4,1 %. Die Staatsverschuldung lag bei 71,2 %, also auch über dem Maastricht-Kriterium. Die Preissteigerung bewegt sich mit 2,6 % über dem Zielwert, den die Europäische Zentralbank vorgibt. Woher kommt das und wie ist es im Hinblick auf die Europrobleme zu beurteilen?


Entscheidend für die Niederlande sind die Probleme des Häusermarktes. Ganz ähnlich wie in Spanien oder in den Vereinigten Staaten stiegen in den letzten Jahrzehnten die Häuserpreise stark an. In Holland spielte hier die staatliche Förderung eine große Rolle (steuerliche Abzugsfähigkeit der Hypothekenzinsen). Hinzu kam, dass die Banken großzügig und ohne große Sicherheiten Kredite vergaben. Die privaten Haushalte verschuldeten sich außerordentlich stark. Ihre Verbindlichkeiten in Prozent des verfügbaren Einkommens liegt derzeit bei fast 300 %, verglichen mit "nur" rund 100 % etwa in Deutschland oder in Frankreich.

2008 platzte die Blase. Seitdem sind die Häuserpreise um über 20 % eingebrochen. Experten rechnen mit einer weiteren Verringerung in den nächsten zwei Jahren in zweistelliger Höhe. Die privaten Haushalte standen vor einem riesigen Schuldenberg, der durch den Wert ihrer Häuser nicht mehr gedeckt war. Sie mussten ihren Konsum spürbar einschränken. Die Banken hatten große Bestände an faulen Krediten. Sie waren gezwungen, ihr Neugeschäft zurückführen. Der viertgrößte Finanzdienstleister SNS Reaal musste vom Staat übernommen werden. Die Unternehmen schränkten ihre Investitionen ein, da es an Nachfrage fehlte.

Einzig der Export hätte helfen können. Aber auch er konnte die fehlende Nachfrage nicht ausgleichen, weil die Lohnstückkosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen waren. Das hat die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschwächt. Zudem gehen über 50 % der holländischen Ausfuhren in die Länder des Euroraums, die unter schwachem Wachstum leiden. Zu allem Überfluss mussten in dieser Zeit die öffentlichen Haushalte ihre Defizite zurückfahren und damit Kaufkraft aus dem Privatsektor abziehen.

Der Vorteil der Niederländer gegenüber Südeuropa ist, dass sie keine Finanzierungsprobleme haben. Von den Rating-Agenturen haben sie die Bestnote AAA. Die Zinsen, die sie am Kapitalmarkt zahlen, sind nach wie vor niedrig (10-jährige Staatspapiere 2,40 %).

Mit dem Euro hat das Ganze nichts zu tun. Der Anstieg der Häuserpreise begann schon lange vor der Einführung der gemeinsamen Währung. Es ist aber klar, dass die Schwierigkeiten in der öffentlichen Diskussion in Holland damit in Verbindung gebracht werden. Es wird gefragt, ob es dem Land nicht ohne den Euro besser gehen würde. Hier spielt die rechtskonservative Partei von Geert Wilders eine wichtige Rolle, die für einen Austritt aus dem Euro plädiert.

Vier Lehren daraus für die Eurokrise: Erstens gibt es nicht nur Schwierigkeiten in den südeuropäischen Peripherieländern. Auch im so gesunden Norden läuft nicht alles rund.

Zweitens gibt es nicht nur Probleme durch eine mangelhafte Stabilitätspolitik, die durch Sparen überwunden werden können. Holland war immer bekannt dafür, dass es zusammen mit Deutschland für eine konsequente Stabilitätspolitik eintrat. Man darf daher nicht nur auf die Maastricht-Kriterien achten (wie das bei der Beurteilung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer im Europäischen Semester inzwischen auch geschieht).

Drittens haben die Niederländer aufgrund ihrer Probleme erheblich größere Schwierigkeiten beim Aufbringen der Hilfsgelder für Südeuropa als beispielsweise Deutschland. Das sollte man im Kopf haben, wenn sich die Deutschen über die hohen Lasten der Transfers beklagen.

Viertens schließlich, auch wenn Südeuropa eines Tages wieder im Lot sein wird, sollten wir nicht davon ausgehen, dass dann im Euro auf Dauer alles in Butter ist. In einer Währungsunion wird es – wie in jedem Staat – immer wieder und aus ganz unterschiedlichen Gründen Probleme in einzelnen Regionen geben. Das gehört zur Wirklichkeit des Lebens. Sie sollten nicht alle der Währung angelastet werden. Sie sind auch nicht alle zu lösen, indem man die gemeinsame Währung abschafft oder ein Land ausscheidet. Ein bisschen mehr Pragmatismus hinsichtlich der Währung wäre daher nicht schlecht.

Für den Anleger:
Die Aktienmärkte in den Niederlanden haben auf die Schwierigkeiten ganz anders reagiert als die Märkte in Südeuropa. Sie haben sich in den letzten Jahren nur relativ wenig ermäßigt (seit 2008 minus 35 %). Wenn die Schwierigkeiten in Holland überwunden sein werden, ist hier daher nicht mit einer großen Relief-Rallye zu rechnen. Schauen Sie am holländischen Aktienmarkt nicht so sehr auf die gesamtwirtschaftliche Situation des Landes. Wichtiger sind die großen Konzerne, die am Weltmarkt agieren.

(Quelle: Direktanlage.at)


Die Analyse dient nicht als konkrete Handelsempfehlung. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen. 




Montag, 16. September 2013

Wird die USA innerhalb von nur fünf Jahren Saudi Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen?


Die USA fördern soviel Öl wie seit 24 Jahren nicht mehr, der Anstieg dämpft nach Ansicht der Energieagentur den Ölpreis

Die USA produzieren dank des umstrittenenFracking-Booms derzeit so viel Öl wie seit 24 Jahren nicht mehr. In der vergangenen Woche förderte das Land pro Tag 7,57 Millionen Barrel (das Fass zu 159 Liter), wie die Energiebehörde EIA am Mittwoch bekanntgab. Zuletzt förderte das Land im Dezember 1989 mehr Öl als heute.
Verantwortlich für den spektakulären Anstieg der Ölförderung in den USA ist vor allem die Weiterentwicklung der Fördertechnik Fracking, die von Umweltschützern stark kritisiert wird. Dabei
werden Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen (fracken) und so Reserven zu erschließen. Anfang 2011 lag die Öl-Produktion noch unter sechs Millionen Barrel pro Tag.

Dämpfer für Ölpreis

Nach Ansicht der Internationalen Energieagentur IEA wirkt der Anstieg der Ölförderung in den USA bereits dämpfend auf den Ölpreis, denn die Technik habe Produktionsausfälle in Libyen und im Irak aufgefangen. Die USA werden nach Einschätzung der EIA in diesem Jahr erstmals mehr Öl fördern als importieren.
Die in Paris ansässige IEA rechnet damit, dass die USA innerhalb von nur fünf Jahren Saudi Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Beim so genannten Fracking werden Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen (fracken) und so Öl- und Gas-Reserven zu erschließen. In Deutschland hatte sich die Koalition vor der Bundestagswahl nicht auf eine Regelung des Fracking einigen können. Auch in Österreich ist das Thema heftig umstritten. Die heimische OMV hat sich von entsprechenden Plänen bis auf weiteres verabschiedet.

Geheimvertrag

Das Thema Fracking wird allerdings durchaus auch in den USA immer wieder kontrovers diskutiert. Ein von der Justiz abgesegneter und Anfang August an die Öffentlichkeit gelangter Geheimvertrag zwischen einem Ehepaar und drei Energieunternehmen sorgte jüngst wegen einer Verschwiegenheitsklausel für minderjährige Kinder für Aufsehen. Die "Pittsburg Post Gazette" veröffentlichte ein Abkommen aus dem Jahr 2011, das dem Paar 750.000 Dollar (knapp 565.000 Euro) zusprach. Im Gegenzug verlangte es Verschwiegenheit über die Förderung von Schiefergas mittels der umstrittenen Methode. Dagegen, dass dies auch für ihre sieben und zehn Jahre alten Kinder gelten soll, wehren sich die Eltern nun.
Chris und Stephanie Hallowich waren dem Bericht zufolge gegen die Unternehmen Range Resources, Williams Gas/Laurel Mountain Midstream und MarkWest Energy im Bundesstaat Pennsylvania vorgegangen. Sie warfen ihnen vor, dass zur Gewinnung von Schiefergas in der Nähe ihres Bauernhofs eingesetzte Chemikalien ihre Gesundheit schädigten. Unter anderem klagten Eltern und Kinder über Schmerzen an Augen, Ohren und im Rachenraum.
Die Eltern erklärten nun, ihnen sei bei der Unterzeichnung des Vertrags bewusst gewesen, dass sie sich zu
lebenslanger Verschwiegenheit verpflichteten. Dass dies aber auch die Kinder betreffe, sei ihnen nicht klar
gewesen. "Das können wir gar nicht kontrollieren", wurde die Mutter zitiert. Der derzeitige Anwalt der Familie, Peter Villari, gab an, ein solcher Vertrag sei ihm in seiner 30-jährigen Laufbahn noch nicht begegnet.
(Quelle: Der Standard, Reuters 14.8.2013)

Donnerstag, 12. September 2013

Wie Banken Kleinsparer ganz gezielt schädigen

Ein Frankfurter Ökonom hat nachgewiesen, dass deutsche Banken ihren Kunden gezielt Aktien unterjubeln, die sie selbst loswerden wollen. Besonders betroffen sind vermögende Privatkunden. Von


Banken haben derzeit nicht das beste Image. Umso mehr tun sie alles, um dies zu ändern: Sie geben sich geläutert, geloben Besserung, inszenieren sich als servile Dienstleister ihrer Kunden. Doch genau dies sind sie offenbar nicht. Vielmehr ist ihnen der eigene Gewinn stets wichtiger als das Kundenwohl. Zumindest legt dies eine umfassende Studie nahe, die nun öffentlich wurde.
Falko Fecht, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, hat darin nachgewiesen, dass Banken ihr eigenes Gewinnziel ganz klar über die Bedürfnisse ihrer Kunden stellen und dabei auch nicht davor zurückschrecken, ihren Kunden Schaden zuzufügen.
Zumindest gilt dies für die großen Banken, die auch Eigenhandel mit Aktien betreiben, und noch mehr für jene, die zusätzlich für ihre Kunden auch die Verwaltung kompletter Vermögen übernehmen.
Fecht, der zeitweise auch als Forschungsprofessor bei der Bundesbank tätig ist, hat dazu umfassende Datensätze analysiert, die er von der Bundesbank erhalten hat. Diese erfassen sowohl die Aktienbestände, die eine Bank in den eigenen Büchern hält, als auch jene, die sie für Kunden verwaltet, aufgeschlüsselt nach einzelnen Aktien.

102 Banken hat er untersucht und dabei eine interessante Entdeckung gemacht: "Wenn der Bestand einer bestimmten Aktie in den Büchern der Bank von einem Quartal zum nächsten zurückgegangen ist, dann tauchen genau diese Aktien plötzlich in den Depots der Kunden dieser Bank auf", sagt Fecht.
Umgekehrt jedoch gilt dies nicht: Wenn der Bestand einer Aktie bei den Kunden zurückgeht, dann übernimmt sie nicht die Bank, sondern sie werden offenbar über die Börse verkauft.

Banken schieben Aktien an Kunden ab


Wenn ein Institut also Aktien loswerden möchte, dann verkauft es diese nicht über die Börse, sondern schiebt sie den eigenen Kunden unter. Besonders klar ist dieser Effekt bei jenen Instituten, die ihren Kunden gleichzeitig auch aktives Vermögensmanagement anbieten, die ihnen also die komplette Verwaltung des Vermögens anbieten.
Dies ist nur logisch, denn hier ist es leicht, Aktien zu verschieben. Meist erhalten solche Kunden nur am Ende jedes Quartals eine Übersicht darüber, welche Aktien in ihren Portfolios sind. Was zwischendurch passiert, wird meist nicht mitgeteilt.
Zudem hat Fecht festgestellt, dass vor allem Aktien kleinerer Unternehmen, die an der Börse nicht so liquide sind, an die Kunden weitergegeben werden. Daraus ergibt sich für ihn auch eine mögliche Erklärung: "Wenn eine Bank größere Aktienpakete an der Börse verkaufen möchte, dann droht sie sich damit selbst den Preis kaputt zu machen." Je illiquider eine Aktie, umso stärker wäre dieser Effekt. Reicht sie die Papiere dagegen an die eigenen Kunden weiter, bleibt diese Preisreaktion aus.
Dies alles wäre nun an sich noch kein Skandal. Schließlich könnte die Bank ganz selbstlos jene Aktien an die Kunden weitergeben, die sie für besonders aussichtsreich hält. Sie könnte also in Vorleistung gehen und dann, wenn die Zeit gekommen ist, ihren Kunden gewinnträchtige Aktien übergeben. Doch leider ist dies nicht so, und auch dies konnte Fecht nachweisen.
Dazu hat er untersucht, wie jene Aktien, die an die Kunden weitergegeben wurden, sich entwickelten und wie sich andererseits jene Aktien entwickelten, die bereits in deren Portfolios waren. Das Ergebnis ist deutlich: "Die untergejubelten Aktien lagen im Folgequartal im Durchschnitt einen Prozentpunkt hinter denjenigen, die Kunden nicht von der Bank erhalten haben", hat Fecht ausgerechnet. Die Bank gibt also ganz offensichtlich jene Aktien an ihre Kunden weiter, die sie selbst nicht mehr haben möchte, weil sie sie für Verlustbringer hält.

Bei kleineren Instituten besser aufgehoben


Schließlich hat Fecht auch noch untersucht, wie sich die Kundenportfolios insgesamt bei den einzelnen Banken entwickelt haben. "Und dieses Ergebnis hat uns aus den Socken gehoben", sagt Fecht. "Die Aktien von Kunden bei Banken mit Eigenhandel erzielen eine signifikant schlechtere Rendite als jene ohne Eigenhandel."
Die Konsequenz wäre also, dass Kunden – vor allem Vermögende – jene Banken meiden sollten, die gleichzeitig auch Eigenhandel betreiben. Bei kleineren Instituten wären sie demzufolge besser aufgehoben, auch wenn diesen meist unterstellt wird, dass sie nicht nahe genug am Markt sind und nicht genug Marktkenntnisse haben, die sie an die Kunden weitergeben können.
Ein Punkt macht diese Schlussfolgerung jedoch fragwürdig und die Studie angreifbar: Die Daten, auf denen die Ergebnisse basieren, stammen aus den Jahren 2005 bis 2009. Aufgrund des Umfangs der Daten sei eine schnellere Analyse jedoch nicht möglich gewesen, sagt Fecht. Zudem habe er die Ergebnisse zunächst auf diversen Fachkongressen vorgestellt und diskutieren lassen, um wirklich ganz sicher sein zu können, dass sie hieb- und stichfest sind. Auf der Basis dieser Diskussionen sei die Studie auch in großen Teilen noch einmal umgeschrieben worden.

Seit 2009 hat sich viel getan


So ergeben die Daten aber nur, dass die Banken ihre Kunden in der Vergangenheit offensichtlich geschädigt haben. Gleichzeitig hat sich seit 2009 in der Bankenwelt aber viel getan. Die Institute beteuern heute beispielsweise allesamt, dass sie überhaupt keinen Eigenhandel mit Aktien mehr betreiben. Dort, wo sie selbst noch Aktien in den Büchern hätten, gehe dies auf ihre Tätigkeit als Broker für die Kunden oder die Marktpflege zurück, zu der sie verpflichtet seien, um die Liquidität zu garantieren.
Die Abgrenzung zwischen diesen Aufgaben und dem Eigenhandel, bei dem die Bank auf eigene Rechnung spekuliert, um Rendite zu erzielen, ist jedoch schwierig bis unmöglich. Fecht bezweifelt daher auch die Aussage, dass die großen Banken keinen Eigenhandel mehr betreiben: "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der Eigenhandel komplett eingestellt wurde."
Als Nächstes will sich Fecht übrigens die Fondsgesellschaften vornehmen. Er will untersuchen, ob auch jene Gesellschaften, die zu einer Bank mit Eigenhandelsaktivitäten gehören, gezielt jene Aktien in die Fonds ihrer Kunden packen, die die Bank selbst loswerden möchte. Und die Datensätze dazu, die er untersuchen wird, reichen von 2007 bis heute.
(Quelle: Die Welt)